Sabotageakte gegen kritische Infrastrukturen wie Ende 2025 beim Stromausfall im Berliner Süd-Westen nehmen zu. Cyberangriffe legen Unternehmen und Behörden lahm und Drohnen gefährden den Flugverkehr. Die Wirtschaft muss Anlagen und Mitarbeiter schützen und Prozesse aufrechterhalten. Ein Handlungsleitfaden der IHK Arnsberg sensibilisiert und eine Checkliste hilft bei der Vorsorgeplanung.
Auch wenn die Ursachen nicht immer eindeutig sind, ist dennoch klar erkennbar: Gegen die zunehmende Bedrohungslage durch die Russische Aggression sind neben einer Anpassung der militärischen Strategie auch vorbeugende Maßnahmen von Zivilgesellschaft und Wirtschaft erforderlich. Unternehmen müssen sich auf die Abwehr von Sabotage einstellen und Vorkehrungen für mögliche Unterbrechungen der Lieferketten oder von Strom-, Wasser-, IT- und Telekommunikationsversorgung treffen.
Gefahrenlage realistisch einschätzen
Im Fokus der Attacken stehen nicht zwangsläufig nur Unternehmen der Wehrtechnik oder der kritischen Infrastruktur, denn Ziel der Sabotageaktion ist auch gezielte Desinformation, wodurch die Gesellschaft verunsichert werden soll. Je bedeutsamer die Rolle eines Unternehmens für die Verteidigung oder das Funktionieren von Staat und Gesellschaft, desto größer ist das Risiko eines möglichen Angriffs. So dürften Hersteller von Lebensmitteln, Medikamenten und Hygiene-Artikeln, die für die Versorgung von Bevölkerung und Streitkräften gleichermaßen wichtig sind, ebenfalls besonders gefährdet sein. Je nach Spezialisierungsgrad können auch kleine Unternehmen ins Visier geraten.
Krisenvorsorge: Mögliche Szenarien ermitteln
Um sich auf mögliche Ereignisse vorzubereiten ist das Denken in Szenarien ein bewährtes Instrument. Welche Krisensituationen sind denkbar und mit welchem Vorlauf können sie eintreten und wie lange können sie wirksam sein? Klassische Fälle sind Strom- oder IT-Ausfälle, Störungen in der Lieferkette, Naturereignisse wie Überschwemmungen, Brände oder Personalausfälle. Denken Sie auch an die zahlreichen osteuropäischen LKW-Fahrer, ohne die unsere Güterlogistik kaum funktionsfähig wäre. Was wäre, wenn diese Fahrer in ihren Heimatländern eingezogen würden?
Komplexität von Krisen – die zeitliche Komponente
Krisen können plötzlich und unerwartet eintreten oder sich schleichend entwickeln. Auch die Dauer kann stark variieren, von wenigen Tagen bis hin zu Monaten oder Jahren. Die Zeitspanne beeinflusst maßgeblich die Planungen und konkrete Maßnahmen zur Krisenbewältigung. Akute Krisen durch ein plötzliches Initialereignis lassen sich mit alltäglichen Maßnahmen zur Schadensbegrenzung oft nicht mehr bewältigen. Bei Sturzfluten, Bränden, Stromausfällen Cyberangriffen oder Terroranschlägen sind vorgefertigte „Schubladenpläne“ unverzichtbar. Mittelfristige Krisen wie Cyberangriffe oder Störungen in der Lieferkette erfordern eine Anpassung der Produktion oder die Umstellung von Abläufen.
Maßnahmen zur Krisenvorbeugung und Krisenbewältigung
Eine betriebsindividuelle Vorsorgeplanung wird erleichtert durch die Beantwortung der folgenden Fragen: Wie kann Führung und Verantwortung im Unternehmen auch in Krisenzeiten sichergestellt werden? Muss das Betriebsgelände und der Zutritt geschützt werden? Welche Lieferketten sind für Ihre Geschäftsprozesse unverzichtbar und ggfs. für bestimmte Krisen anfällig? Welche Auswirkungen hätte ein Ausfall von Energieversorgung oder IT- und Daten-Kommunikation und wie könnte er kompensiert werden? Welches Personal könnte im Ereignisfall ausfallen und wie kann mit der Personalplanung darauf reagiert werden? Wie kann auch in Krisen das Vertrauen in das Unternehmen aufrechterhalten werden.
Unternehmen müssen sich selbst schützen
Wer auf Krisen nicht vorbereitet ist, der stellt im Zweifel die Existenz seines Unternehmens aufs Spiel. Auf staatliche Unterstützung kann man sich dabei nicht verlassen. Die Bundeswehr ist ausschließlich im militärischen Einsatz und Polizei und Blaulichtorganisationen leisten Zivilschutz und Katastrophenhilfe. Für den Schutz und die Sicherheit betrieblicher Anlagen bleiben die Unternehmen selbst verantwortlich.
IHK-Handlungsleitfaden mit Checkliste: Krisenvorsorgeplan für KMU
Ein Handlungsleitfaden der IHK Arnsberg und des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe beschreibt den Rahmen einer Krisenvorsorge sowie Kernmaßnahmen, die Unternehmen jetzt ergreifen sollten. Im Anhang werden die verschiedenen Konflikt-Szenarien dargestellt und ausgewählte Gesetze der Notstandsgesetzgebung erläutert. Eine Checkliste rundet den Handlungsleitfaden ab.